Sonderausstellungen 2026


Freitag, 24.4. - Sonntag, 14.6.: IN FORM GETRÄUMT. Gemälde, Zeichnungen und Keramiken von Josef Ferdin


Josef Vincenz Ferdin (1902-1978) teilt das Los vieler Kunstschaffender: Obwohl sich Sammler bei Auktionen um seine Werke reißen, ist seine facettenreiche Biographie nur den wenigsten bekannt. 1917 trat er in die keramische Schule Schleiß ein, bei der in den 1920er und 1930er Jahren die begehrte Gmundner Keramik hergestellt wurde. Über ein Studium an der Münchner Kunstakademie führte ihn sein Weg als Lehrer an die Fachschule Linz und weiter nach Rosenheim, wo er mit seiner Ehefrau Irmintrud Ferdin-Rummel ein gemeinsames Atelier betrieb. Später arbeitete er in der Töpferwerkstatt der Oberammergauer Familie Lang. „Die mit feinsten Pinseln bemalten Keramiken, Schüsseln und Kacheltische mit floralen, figürlichen und christlichen Motiven lassen eine fast vergessene kreative Ausdrucksform aufleben“, so ein Kunstkritiker über Ferdins Werke. 


Von 1945 bis 1970 lebte Josef Ferdin in Uffing am Staffelsee, wo er die Malerei für sich entdeckte. Das DORFWELTEN-Heimatmuseum macht in dieser Sonderausstellung die Vielseitigkeit Ferdins sichtbar und präsentiert neben Schätzen aus dem Museumsdepot auch neu erworbene Kostbarkeiten aus dem Schaffen des Künstlers. 



Freitag, 19.6. - Sonntag, 2.8.: EDISON IN ATLANTIS. Der Ingenieur und Künstler Otto H. Muck - Eine Biographie der Widersprüche.

Otto Heinrich Muck (1892-1956) führte ein Leben, das voller Widersprüche steckte. Beruflich widmete er sich der Technik, doch in ihm schlummerte auch ein talentierter Grafiker, dessen Werke in bedeutenden Kunstzeitschriften veröffentlicht und in den Wiener Salons diskutiert wurden. Er arbeitete an der Herstellung von Kriegswaffen für die Nationalsozialisten, beschäftigte an seinem Uffinger Wohnsitz Zwangsarbeiter und unterhielt enge Beziehungen zu den Betreibern des Konzentrationslagers auf der Halbinsel Burg bei Seehausen - allerdings war er selbst mit einer jüdischen Frau verheiratet. Als „Edison vom Staffelsee“ hinterließ er über 2.000 Patente - unter anderem für einen Trockenrasierer und ein Unterwasser-Fernsehgerät -, in seinen späteren Jahren wurde er einer der einflussreichsten Forscher zum Mythos von Atlantis. 


Vor 70 Jahren kam Otto H. Muck bei einem Autounfall ums Leben. Das DORFWELTEN-Heimatmuseum widmet anlässlich seines Todestages eine Sonderausstellung Mucks unkoventioneller Biographie: Von den Künstlerzirkeln Wiens über die Jahre als Erfinder und Ingenieur in Uffing hin zur Suche nach einem längst verlorenen Inselreich. Dabei wird auch ein dunkles Kapitel der Regionalgeschichte – die Zeit des Nationalsozialismus - anhand von Mucks Lebensweg näher beleuchtet. 



Freitag, 7.8. - Sonntag, 27.9.:ICH WAR HIER!“ VOM BEDÜRFNIS, SEINEN NAMEN ZU HINTERLASSEN. Graffiti und Inschriften in der Kulturgeschichte des Dorfes 


Das Bedürfnis, sich auf Wänden und Gegenständen mit dem eigenen Namen, einem Spruch oder einer Zeichnung zu verewigen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Die steinzeitlichen Höhlenmaler hinterließen Handabdrücke neben ihren Kunstwerken. An den Hauswänden des römischen Pompeji kann man noch heute die oftmals derben Sprüche der Bewohner lesen, neben denen sich – trotz zahlreicher Verbote – auch immer wieder moderne Touristen verewigen. Fromme Pilger kerbten ihren Namen in Heiligengrabmäler, gelangweilte Kinder verzierten Schul- und Kirchenbänke mit dem Taschenmesser. Noch heute ritzen verliebte Paare ihre Initialen in Bäume oder befestigen Schlösser mit ihren Namen an Brücken... Ganz zu schweigen von der Graffiti-Kunst, die sich mit der amerikanischen Hip Hop-Subkultur entwickelte und schließlich die ganze Welt eroberte. 


Die Sonderausstellung „ICH WAR HIER!“ wirft einen Blick auf die Geschichte des alten Bedürfnisses, seinen Namen zu hinterlassen. Der schmale Grat zwischen Alltäglichem und Verbotenem, zwischen Vandalismus und künstlerischem Ausdruck wird ebenso beleuchtet wie die Frage, wie Graffiti und Inschriften die Kunst- und Kulturgeschichte - auch auf dem Dorf - mitgeprägt hat. 



Freitag, 2.10. - Sonntag, 22.11.: GRENZEN AUFLÖSEN. Fotografien wie gemalt von Beate Kosmale.

Beate Kosmale (*1963) kaufte sich in den 1980er Jahren ihre erste Spiegelreflexkamera, die sie fortan auf ihren Reisen begleiten sollte. In einem Fotografie-Verein ihrer Heimatstadt Berlin lernte sie mehr über die technische Seite der Kamera und über die zahlreichen Möglichkeiten, die diese Kunstform zu bieten hat. In den 1990er Jahren veröffentlichte sie ihre Fotomotive als Postkarten und arbeitete als Autorin und Fotografin für Reisemagazine und Reiseführer-Verlage. 2002 zog sie mit ihrer Familie nach Bayern, wo sie zunächst in Uffing und danach in Seehausen heimisch wurde. Nach einer kreativen Schaffenspause ist die Kamera nun wieder ihre ständige Begleiterin. Seither hat Beate Kosmale nicht nur mit zwei Foto-Ausstellungen im Uffinger Heimatmuseum begeistert, sondern auch einen eigenen Bildband über die Schönheit des Murnauer Mooses herausgebracht. 


In ihrer neuen Ausstellung experimentiert die Künstlerin mit Wisch- und Flimmertechniken. Durch eine längere Belichtungszeit, während der die Kamera sachte bewegt wird, aber auch durch verschiedenen Oberflächentemperaturen im Freien entstehen Bilder, die die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei auflösen und mit ihren faszinierenden, „handgemachten“ Effekten die Betrachter in ihren Bann ziehen. 



Freitag, 27.11. - Sonntag, 10.1.: WILDE JAGD UND WINTERREIF. Die Weihnachts- und Raunachtszeit auf dem Dorf. 

Weihnachten – für viele Menschen immer noch die magischste Zeit des Jahres, in der man zur Ruhe kommen und die Feiertage genießen möchte – trotz des erhöhten Stressfaktors beim „Fest der Liebe“. Viele uralte Weihnachtsbräuche leben bis heute fort: Vom Besuch des heiligen Nikolaus über das Aufstellen der Krippe bis hin zur Mitternachtsmette am Heiligen Abend. Doch die „staade“ Zeit hat auch eine dunkle Kehrseite: Um die zwölf Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönigstag ranken sich Vorstellungen und Bräuche, die noch viel älter sind als der christliche Glaube. So braust in diesen Nächten angeblich die „Wilde Jagd“ durch die Lüfte, versunkene Schätze steigen empor, und unerlöste Geister können von ihrem verfluchten Dasein befreit werden. 


Wie erlebten in früheren Zeiten die Menschen die dunkelsten Tage und Nächte des Jahres, die gleichzeitig das heiligste Jahresfest bereithielten? Welche Bräuche wurden auf dem Dorf gepflegt, um die Zeit „zwischen den Jahren“ zu begehen? Und wie verhält es sich heute damit, wo viele alte - oder auf alt getrimmte - Rituale wie Perchtenläufe, Räuchern und Wachsgießen wieder hoch im Kurs stehen? 


Die winterliche Sonderausstellung des DORFWELTEN-Museums vermittelt einen spannenden Einblick in Volksglauben und Brauchtum.